| Bitte erzählt uns, wie Ihr zu Metalheads wurdet! Hat sich die Metalszene in Ägypten ebenso zu einer beständigen Kultur ausgebreitet wie in anderen Ländern? ODIOUS wurde 1998 in Alexandria, Ägypten, gegründet. Bassem Fakhri (Vocals, Synths) und Rami Magdi (Drums), wollten eine neue Metalrichtung mit orientalischen Instrumenten erschaffen. Kurz darauf stoßen Ramzi Mayas (Bass) und Mohamed Hassan (alle Gitarren) hinzu und die Band war geboren. Nach dem Ausstieg des Bassisten (aufgrund persönlicher Gründe) fand sich Alfi Hayati am Bass, um unsere Band zu komplettieren und zu unterstützen. Im Jahre 2005 beschlossen wir einen weiteren Gitarristen zu verpflichten und Mohamed Lameen wurde als Rhythmusgitarrist ins Boot geholt. Soviel zu unserer Bandgeschichte. Unser erstes Demo nahmen wir 2000 auf. Es handelte sich um orientalischen Doom mit Black Metal Einflüssen. Leider wurde dieses Demo nie richtig veröffentlicht. Durch viele Umstände stellten wir fest, dass wir besser eine neue Richtung einschlagen sollten und konzentrierten uns nur noch auf unseren orientalischen Black Metal. 2003 veröffentlichen wir unsere zweite Eigenproduktion 'Summoned by Night', eine Mini-CD, die in Ägypten gut verkaufte. Durch den Erfolg mit dieser Mini-CD erhielten wir sehr gute Resonanz der Presse und konnten uns eine große Fanbase aufbauen. Dann kam endlich der langersehnte Deal mit einem Label: Sleaszy Rider Records. 2005 war der Deal dann perfekt und wir arbeiteten mit Feuereifer an unserer ersten Full-Length CD. Die Metalszene in Ägypten ist noch recht jung und vielversprechend. Durch die für uns noch relativ neue Metal- und Gothicmusik sind die ägyptischen Bands sehr inspiriert und fühlen, solange sie wirklich mit Herz und Seele dabei sind, die wahre Leidenschaft dieser Musikrichtungen. Es werden wirklich gute Alben geschrieben und produziert, die mit Sicherheit auch Anerkennung und Beachtung verdient hätten. Natürlich ist die Szene nicht so groß und reichhaltig wie in anderen Ländern, in denen düsterer Metal und Gothic eine Tradition in der Musik darstellen, aber wir spüren, dass die Welt hier sich etwas verändert. Nennt uns ein paar Bands, die Euch zum Metal gebracht haben. Hauptsächlich waren das Metallica, Iron Maiden, Megadeth, Sepultura, Pantera, Manowar, Black Sabbath und viele andere... Eure Band begann 1998 als Doom Metal Band mit orientalischen Einflüssen. Nach den Aufnahmen zu Eurem ersten Demo änderte sich Euer Stil zum orientalischen Black Metal. Wie kam es zu der neuen Richtung? Wir begannen als orientalische Doom Metal Band mit einigen Black Metal Einflüssen, aber stellten rasch fest, dass wir unsere Gefühle mit Doom eher erlöschen und verharmlosen, statt sie mit Kraft nach Außen zu schreien. So orientierten wir uns um, nutzen den für uns passenderen Weg, den Black Metal, um Wut und Hass besser umsetzen zu können. Euer erstes Album ist nun erschienen und ich muss sagen, es ist ehrlich ein Meisterwerk geworden. Wie seid Ihr ursprünglich auf die Idee gekommen, Black Metal mit orientalischen Instrumenten zu kombinieren? Wir wurden von unserem orientalischen Umfeld genauso sehr beeinflusst wie von der westlichen Metal- und Gothic-Kultur. Der Kontrast zu unserem Leben war der ausschlaggebende Faktor. Die Möglichkeit, einfach alles heraus zu schreien erschien uns unglaublich, daher kombinierten wir unsere Kultur mit dem absoluten Gegenteil und konnten unsere Gefühle durch die Musik ausleben: Wut, Verwirrung, Hass, Liebe... Welche Instrumente benutzt Ihr für Eure Musik? Nennt und beschreibt sie bitte für uns! Wir benutzen orientalische Instrumente. Alte, wie eine Darbuka zum Bespiel oder andere orientalische Trommeln. Wir bringen außerdem eine Vielzahl an orientalischen Instrumenten als Sampels wie z. B. Nay, Kanoun, Rababa und Kaman ein. Wir wählen nicht die klassischen orientalischen Musiklinien, aber versuchen immer, ein großes Potenzial an Melodien und Gefühlen aus dem orientalischen Raum in unsere Songs einfließen zu lassen. Es gibt ja nicht gerade viele Metalacts aus Ägypten, denen man über den Weg läuft. Ist es schwierig für Odious Euren Metal in Eurer Gesellschaft zu vertreten? Wie sind die Reaktionen der Mitmenschen? Das soziokulturelle Umfeld in Ägypten ist dem Metal gegenüber nicht gerade positiv eingestellt. Es ist neu und ein wenig beängstigend für die Bevölkerung. Außer bei ein paar offenen, jungen Menschen die zum Metal stehen, hat man es sehr schwer. Als Band, die diese Art von Musikkultur präsentiert, hat man viele Probleme zu bewältigen. Dennoch, es existiert eine ansehnliche Menge an Metalfans und selbst wenn es oft unbequem ist zum Metal zu stehen, ist es für uns eine Angelegenheit, mit der wir gut umgehen können und daraus schöpfen. Die Reaktionen von Mitmenschen sind meist positiv und unterstützen uns. Daher ist der hohe Zuspruch für unsere Musik von den eher wenigen Fans weitaus interessanter und eine Hilfe für uns, als die kleine Anzahl von Leuten zu sehen, die uns Support geben. Wir sehen also eher die Qualität der Reaktionen als die Quantität der Leute, wenn ich das so ausdrücken darf. Hat sich Euer Leben durch die Band verändert? Oh ja, sehr sogar. Wir wachsen mit unseren Aufgaben, unserer Verantwortung, Kreativität und den Ansprüchen an uns selbst. Wir wollen eine Botschaft herausgeben und letztendlich haben wir so unseren Weg gefunden. So etwas verändert grundsätzlich das Leben eines jeden Menschen. Ich habe bei meinen Recherchen gesehen, dass Ihr bereits zahlreiche Gigs in Ägypten gespielt habt - gab es auch schon Shows außerhalb Ägyptens? Habt Ihr derzeit Tourpläne? Nein, bisher haben wir noch nicht außerhalb Ägyptens gespielt. Natürlich ist es unser inniger Wunsch, auch fern ab unserer Heimat zu spielen. Zu künftigen Tourplänen gibt es leider noch nichts zu sagen. Wir versuchen selbstverständlich auf eine gute Tour zu kommen und würden uns glücklich schätzen, endlich auch vor unseren Fans außerhalb Ägyptens auftreten zu können. Wir wissen, dass wir Euch richtig begeistern könnten mit unserer Musik und viele, viele Fans des Black Metal überzeugen würden. Erzählt mal über den Prozess des Songwritings Eurer Songs. Woher nehmt Ihr Eure Inspiration? Wir erzählen von den Hintergründen der menschlichen Existenz. Im wahren Leben sind einige Dinge glasklar und schreien Dich richtiggehend an, aber Menschen sind oft so dermaßen ignorant sie zu erkennen, da die Beziehungen soviel komplizierter und weitreichender sind, als sie erkennen können oder wollen. Gerade diese Beziehungen geben uns viel Inspiration beim Schreiben der Texte. Wir fühlen, dass da viel mehr im Leben ist, als viele andere begreifen, wir denken viel tiefgründiger und glauben an wesentlich tiefere Schichten als die, an denen der durchschnittliche Mensch stoppt. Wir tauchen tief in die Philosophie des Lebens ein, so tief es eben geht, und nehmen uns aus den Tiefen unsere eigenen Erfahrungen mit. Viele meiner Freunde und auch Bands sind fasziniert von ägyptischer Mythologie. Ist dieses Thema wichtig für Euch? Interessiert Ihr Euch für die historischen Pharaonen und die alte Geschichte? Ja, wir interessieren uns sehr für die alte Geschichte und die Pharaonen, Mythen und lassen uns auch von diesen Dingen tief inspirieren. Nur, da wir aus der Historie des Alten Ägypten entstammen und in direkter Verbindung stehen, sind wir sehr stolz auf unsere Vergangenheit und wertschätzen sie sehr, doch ist es etwas normaler für uns als für Euch. Unser Bandhintergrund sowie die Lyrics sind nicht von dem Alten Ägypten beeinflusst, sondern mehr von allgemeinem orientalischen Sein und der orientalischen Seele. Das Leben in Ägypten ist heute wohl weit weg von den romantischen Vorstellungen, die man im ersten Moment hat. Erzählt zum Schluss doch etwas über Eure Jobs, Hobbys, den allgemeinen Lebensstil, den Ihr so führt. Wir leben in einer sehr modernen Welt. Wir greifen mittlerweile innerhalb unserer Gesellschaft sogar Dinge aus dem Westen auf. Unsere Jobs - nun, drei von uns sind im IT-Bereich tätig, einer ist Buchhalter und einer absolvierte die Kunsthochschule, was zeigt, dass wir sehr modern leben und technische Dinge normal für uns sind. Unsere Hobbys sind zahllos... wir gehen ins Kino, hängen mit unseren Freunden ab und genießen das Leben so gut es eben geht. Die größte Verbindung, die wir haben und uns immer zusammen hält, ist natürlich die Musik. Letzte Worte an Eure (neuen) Fans: Vieles müssen wir loslassen. Wir sind seit langer Zeit zusammen und wir glauben, wir stehen trotzdem noch an einem Anfang eines langen Weges. Wir haben große Hoffnungen und viele Sehnsüchte und wünschen, dass wir mit der Zeit das Beste werden, das aus uns werden kann. Unser Bestreben ist es, erkannt zu werden in der größtmöglichen Vielfalt unserer Ideen, Lyrics und Musik, dies alles so weit wie möglich zu tragen. |