Am Mittwoch, dem 20.09.2006 sollte es um 18 Uhr losgehen. Das erste Interview für die neue Bonemetal-Seite. Grund hierfür ist die Tour von Nevermore, die Mal als Headliner und mal, so wie hier in Hamburg, als Support von Disturbed stattfinden sollte.
Es war nicht ganz klar, ob Nevermore spielen würde, oder nicht. Denn gut eine Woche zuvor erkrankte Nevermore-Sänger an einer Infektion in den Lungen und deshalb musste hier schon die überaus wichtige DVD-Release-Show abgesagt werden. (mehr Informationen hier im Interview mit Bassist Jim Sheppard)
Ich platzte nun mitten in den Soundcheck und war freudig erregt, dass Nevermore an diesem spielen würde.
Direkt nach dem Interview ging es nun darum auf den Gig von Nevermore und den Headlinern Disturbed zu warten. Schon etwa eine Stunde vor Einlass war die Große Freiheit erfüllt mit jungen und alten Metalheads. Eine besondere Rolle nahmen hier zwei Spanier ein, die extra für ihre Helden Disturbed anreisten. Bis hier hin ist das zwar schon eine Leistung und ein „Oh, wow“ wert, aber das Außergewöhnliche daran war, dass sie diese Reise ohne Konzertkarten angetreten waren und diese waren an diesem Abend eh rar, denn um das mit „Ausverkauft“-Schildern behängten Kartenhäuschen der Großen Freiheit 36 trieben nur die Schwarzmarkthändler ihre kleinen Abzockereien. So entschloss sich das spanische Teenie-Pärchen nach langen Verhandlungsgesprächen doch dazu für den Abend zusammen 80 Euro auszugeben, und nicht die ursprünglich 24 Euro pro Karte.
Aber nun zum eigentlichen Konzert: Nachdem ich die erste Band geradezu verpasst hatte, diese spielten nämlich nur 20 Minuten, kam ich erst zur Umbaupause zu Nevermore in den mit Menschen völlig überfüllten Raum.
Kurze Zeit später stürmten die Amerikaner die Bühne. Mit einer aus vielen Alben gut durchmischten Songwahl wie „Born“, „Inside Four Walls“ oder „Enemies of Reality“ sorgten Nevermore nicht nur bei den erfahrenen, sondern auch bei den „Nachwuchs“-Metallern für Knoten in den Haaren und den bekannten Nackenschmerzen am nächsten Morgen. Der Sound war leider nur als mittelmäßig zu beschreiben: obwohl der Gesang kräftig, das Schlagzeug trockengeröllig und der Bass bauchmassierend war, wirkten die Gitarren ein wenig zu zurückhaltend. Das wirkte sich leider auf die Soli aus, die dadurch den nötigen Biss verloren. Zu meiner Freude hatte Sänger Warrel Dane sogar einen sehr guten Tag, denn neben ein paar kleinen Hustern legte er einen bravourösen Gig hin und traf diesmal sogar alle Töne.
Nevermore ist und bleibt es immer wert live zu sehen. Es war wiedermal ein reiner Augen- und Ohrenschmaus.
Nach einer sehr langen Umbaupause, die gereicht hätte Bier zu holen, es zu trinken und sich ihm auf Klo wieder zu entledigen, verwandelten Disturbed die Große Freiheit 36 in ein brennenden Ameisenhaufen. Nun war es jedem klar, warum im Graben vor der Bühne so viele Securities standen. Die mittlerweile im Altersdurchschnitt stark gesunkene Menge war vor Begeisterung kaum noch zu halten, dabei ließ sich der erfahrene Frontmann David Draiman niemals die Zügel aus der Hand nehmen. Das neue Album der Nu-Metal / Hard Rock-Band aus Chicago „Ten Thousand Fists“ wurde nicht nur gut angenommen, sondern bis zur Erschöpfung zelebriert. „Ten Thousand Fists ist ein Aufruf zu den Fans zur Stärke und Solidarität“ (Quelle: Biographie) Genau das haben Disturbed an diesem Abend geschafft. Allerdings traf leider auch „If this disturbes you, then walk away“ für viele Metalheads während dieses Auftritts zu.
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